Wenn Hexen eine Reise tun, dann kann man was erleben
47 Sängerinnen auf ihrer Chorreise nach Gent
"Und nicht vergessen zu bezahlen! Ich will hier keine Namen nennen, ihr wisst ja selbst, wer noch säumig ist", mahnt eine Chorkollegin. Noch zehnmal schlafen, dann gehen die Witches auf Chorreise. Dieses Mal geht es nach Gent.
Freitag, 23.04.2010
14.30 Uhr: Pünktlich haben sich alle Frauen auf dem Friedrich-Ebert-Platz eingefunden. Einfach war das nicht, denn noch bei der letzten Probe wurde diskutiert, ob das der geeignete Treffpunkt sei oder nicht. Kriegen Sie mal 47 Hexen unter einen Hut!
Der "Lieferservice", bestehend aus bringenden Männern, Kindern und Freunden hat sich schnell verabschiedet. Vor dem Bus noch rasch ein Geburttagsständchen für Mäggie und schon kann es losgehen. Die "spuckgefährdeten" Sängerinnen haben sich rechtzeitig die vorderen Plätze reserviert.
Die Reise beginnt mit Geburtstagssekt, die Sonne scheint. Auch reisende Hexen können Engel sein, so sieht es der Wettergott. Vorräte an Haribo, Käse und anderen Naschereien sind genug da. Die Stimmung steigt. Der Fahrer muss 47 abwechselnd gackernde und singende Frauenkehlen aushalten.
16.30 Uhr: Kurze PxxxPause - Sie wissen schon. „Wer fünf Minuten zu spät kommt, der muss singen, wer zehn Minuten zu spät kommt tanzen. Und wer fünfzehn Minuten Verspätung hat, kann an der Stelle, wo der Bus vorher stand, singen und tanzen", droht unser Chauffeur mit einem Augenzwinkern.
18.30: Nach vier Stunden, in denen wir die Geduld und das fahrerische Können unseres Chauffeurs haben bewundern können, erreichen wir Gent. Wir haben Zimmer im „Monasterium", einem zum Hotel umgebauten Kloster reserviert.
Beim gemeinsamen Abendessen wirft die Vorspeise, ein Bouquet von Salat, Kräutern und Blüten mit Kräuterquark, gekrönt von einer Stiefmütterchenblüte, Fragen auf: „Kann beziehungsweise soll man die mitessen?"
22.00 Uhr: Den Rest des Abends gehen die Frauen getrennte Wege. Die Möglichkeiten: Hausbar oder Stadtrundgang. Die Alternative „Bett" bleibt hier unkommentiert.
Diejenigen, die sich für den Stadtrundgang entschieden haben, bekommen schon mal einen Ausblick auf das, was uns am nächsten Tag erwartet: Im Irish Pub gibt es Musik nach Wunsch. Also mal zuhören statt selber singen. Wer bei dem vierseitiges Angebot an Liedern nichts Passendes für sich findet, ist selbst schuld. „Für ein solches Repertoire müssen die Witches noch fleißig arbeiten", stellen wir fest.
Und in der Hausbar wundert sich das Personal über die späte Truppe weiblicher Gäste.
Samstag, 24.04.2010
10.00 Uhr: Nach einem außerordentlich reichhaltigen Frühstück führen uns deutschsprachige Guides in zwei Gruppen durch die Stadt und klären uns über Historie, Politik, Gesellschaft und Geografie von Gent auf. Geschichten aus der Vergangenheit lösen immer wieder Lacher aus. Und da die Witches ja weiblich sind, werden wir natürlich auch ausgiebig über die Einkaufsmöglichkeiten informiert. Ob preisgünstig, teuer oder ausgefallen, die Stadtführer wissen für jeden Geschmack das Richtige.
11.30 Uhr: Nach dem Rundgang treffen beide Gruppen auf der Brücke am „Graslei" wieder zusammen. In super Stimmung geben wir dort ein erstes Ständchen. Der Applaus motiviert uns zu weiteren Liedern.
12.00 Uhr: Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Wer Geld ausgeben will, tut das, wer Leute beobachten will, hat Gelegenheit dazu. Wie Frauen so sind, bilden sich Gruppen, von denen einer ein Hochzeitspärchen über den Weg läuft. Noch bevor wir uns einig sind, dass alle benötigten Stimmen vertreten sind, sind die frisch gebackenen Eheleute schon wieder verschwunden. Wie schade. Doch dann treffen wir erneut auf Brautleute und bringen spontan ein Hochzeitsständchen dar. Die sind so begeistert, dass sie sogar Fotos mit uns machen.
21.00 Uhr: Nach dem Abendbrot wieder die Alternativen Bett, Bar oder Stadt.
In der Hotelbar unterhält Rita die Chorkolleginnen in bewährter Weise mit Witzen und Dönekes. 31 Frauen entscheiden sich für die Variante „Stadt".
Nur mit Mühe finden wir eine Location, in der wir alle Platz finden. Bezeichnend ist der Name des Restaurants: "CONTRAST". Die Stimmung ist gut und wir fangen fröhlich an zu singen, was einige Passanten dazu bewegt, stehen zu bleiben und zuzuhören. Auch eine Gruppe, die Junggesellenabschied feiert, ist darunter. „Da gibt´s doch passende Lieder in unserem Fundus!", denken wir und schmettern von Herzen drauf los.
Dann kommt ein junger Mann vorbei: langhaarig, bekleidet mit weißer Kutte und ein Holzkreuz tragend. Und wir singen "Always look on the bright side of Life" aus dem Film "Das Leben des Brian".
"Jetzt müsste nur noch ein Löwe vorbei kommen", meint Liz, und eigentümlicherweise kommt tatsächlich ein als Löwe verkleideter junger Mann daher. Also stimmen wir „In the Jungle" an.
„Ich habe euch heute Vormittag schon auf der Brücke gehört", ruft uns einer der Zuhörer zu. „Ihr müsst unbedingt noch mal was von Abba singen", bittet er und erklärt: „ich habe mich heute mit meiner Freundin hier neben mir verlobt und möchte ihr deshalb ein Lied schenken." Klar doch, machen wir gerne!
24.00 Uhr: So langsam geht uns die Puste aus. Da kommen noch zwei Pärchen und beschwatzen den Wirt, noch bei uns auf der Terrasse Platz nehmen zu dürfen. Sie möchten unseren Gesang genießen. Na, dann kann können wir natürlich nicht nein sagen. Die vier sind Niederländer und wünschen sich ein Lied von Hermann van Veen. Besser hätte es nicht kommen können. Mit „Weg da" beschließen wir unser "Konzert" und treten den Heimweg an. Noch ein Bier an der Bar, kurze Reflexion des Erlebten und ab ins Bett.
Sonntag, 25.04.2010
09.00 Uhr: Nach dem Frühstück haben wir die Gelegenheit, in der hauseigenen Kapelle zu singen. „Versprecht euch nicht zu viel von der Akustik", warnt uns Liz. Doch ganz entgegen ihrer Erwartung ist der Sound so toll, dass unsere ziemlich verbrauchten Stimmen noch einmal aufleben. Danach geht es ans Kofferpacken. Wer noch immer nicht bezahlt hat, tut dies jetzt.
10.30 Uhr: Zum Abschluss unternehmen wir gemeinsam eine Grachtenfahrt, bei der der Guide uns Gent aus der Wasservogel-Perspektive zeigt. Die Brücken sind teilweise recht niedrig. Mäggie, die gedankenverloren Erinnerungsfotos schießt, kann nur durch ein beherztes Herunterzerren vor der "Kopflosigkeit" gerettet werden.
14.30 Uhr: Pünktlich holt der Bus uns am Hotel ab. Seliges Schnarchen auf der Heimreise. Ans Singen denkt jetzt fast keine mehr. Auch Hexen haben nur begrenzte Kräfte! Schon ab Dienstag müssen wird wieder zielstrebig arbeiten, denn das nächste Highlight steht vor der Tür: ein Gemeinschaftskonzert mit den Profis von „Vocaldente".
Wieder daheim: Ein nicht so schönes Souvenir hat Roswitha mit nach Moers genommen. Die Arme hat sich beim letzten Weg zum Hotel den Fuß gebrochen!
Unser ganz besonderer Dank für das wunderschöne Wochenende gilt den Organisatorinnen Mäggie und Roswitha, die mit ihrem Engagement die vielen gemeinsamen Erlebnisse erst möglich gemacht haben!
Hannelore Brandt
